September 2015 – Verkehrsrecht – Das hätten Sie billiger reparieren können?

Die Mandantin hatte einen Verkehrsunfall erlitten. Das Fahrzeug wurde in Eigenarbeit repariert. Insofern lag keine Reparaturkostenrechnung vor und der Schaden wurde fiktiv, also ohne Inansatzbringung der Mehrwertsteuer, auf Grundlage eines zuvor eingeholten Sachverständigengutachtens abgerechnet. Die gegnerische Versicherung hatte die Mandantin auf zwei günstigere Reparaturbetriebe verwiesen und mit der Begründung, dass die Reparatur dort günstiger sei, die Reparaturkosten um über 1.000,00 € gekürzt.

Grundsätzlich ist ein solcher Verweis nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes zulässig, da der Geschädigte seiner Schadenminderungspflicht nachkommen muss. Hier wurde der Differenzbetracht vor dem Amtsgericht Kiel gerichtlich geltend gemacht. Das Amtsgericht hatte Beweis erhoben durch Vernehmung der Geschäftsführer der Referenzwerkstätten. Die Beweisaufnahme hatte sodann ergeben, dass die von der Versicherung angegebenen Konditionen nicht korrekt sind, weshalb die Versicherung zu einer erheblichen Nachzahlung verurteilt wurde.

Insofern empfiehlt es sich die Kürzungen nicht immer hinzunehmen, sondern kritisch zu hinterfragen. Im Idealfall begeben Sie sich direkt nach dem Unfall in die anwaltliche Beratung, um eine Aufklärung über die Reparaturmöglichkeiten zu erhalten.

Rechtsanwalt Felix Rostowski