November 2015 – Verkehrsrecht – Wenn`s hinten knallt gibt’s vorne Geld?

Der Mandant war auf der Autobahn auf ein Stau-Ende zugefahren, bremste ab, lenkte sein Fahrzeug auf den Grünstreifen, um eine Lücke zu schaffen und schaltete das Warnblinklicht ein. Plötzlich kollidierte von hinten der Unfallgegner mit erheblicher Kollisionswucht. Das behindertengerechte Fahrzeug des Mandanten erlitt einen Totalschaden und die Insassen wurden bei der Kollision verletzt. Der gegnerischen Versicherung wurde sofort mitgeteilt, dass der Mandant zur Vorfinanzierung eines neuen, behindertengerechten Fahrzeugs, auf das er dringend angewiesen war, wirtschaftlich nicht in der Lage sei und die Versicherung somit bitte schnellstmöglich den Schaden reguliere.

Es passierte nichts. Nach drei Monaten reichten wir Klage vor dem Landgericht Verden ein. Darauf regulierte die Versicherung 75 % des Schadens, damit sich der Mandant wenigstens ein Ersatzfahrzeug zulegen konnte. In den drei Monaten ohne Auto ist jedoch eine Nutzungsausfallentschädigung von über 5.000,00 € angefallen, die sodann gerichtlich ebenfalls geltend gemacht wurde.

Das Landgericht Verden sprach den Nutzungsausfall überwiegend zu, entschied jedoch nur auf eine Haftungsquote von 80 %, mit der Begründung, dass der klägerische Fahrer nicht in angemessener Geschwindigkeit gefahren sei, da ihm die Sicht auf das Stauende zuvor von einem Lkw versperrt war.

Diese Entscheidung fanden wir eklatant falsch. Der Mandant kam rechtzeitig zum Stehen und hatte zudem eine Lücke für nachfolgende Fahrzeuge gelassen. Er hatte sich quasi wie ein Idealfahrer verhalten. Wir legten sofort Berufung gegen die Entscheidung beim Oberlandesgericht Celle ein, das dieser Betrachtung Recht gab, auf eine 100 %ige Haftung entschied und dem Kläger zudem den vollen Anspruch auf Nutzungsausfall bis zur Zulassung des Ersatzfahrzeugs zusprach.

Rechtsanwalt Felix Rostowski